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Grauwaltour – Lopez Mateos

Aus Wale.info

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Baja California: Grauwaltour – Lopez Mateos

30. März, Grauwaltour – Lopez Mateos

Grauwaljunges

Schwimmwesten an und ab ins Boot. Oder besser gesagt in zwei Boote, denn mit fünf Metern Länge bietet ein Boot gerade mal Platz für 6-8 Personen (und wir waren zu zwölft). Fünf Meter lange Boote - das ist geradezu winzig, wenn man bedenkt, dass Grauwale eine Länge von bis zu 16 Metern erreichen. So ganz geheuer war uns das nicht, immerhin sind Grauwale auch unter dem Namen 'Devilfish' (Teufelsfisch) bekannt. Zum Schutz ihrer Jungen sollen die Weibchen schon ganze Boote zerschmettert haben – zu Zeiten des Walfangs allerdings. Heute sind die Riesen bei Touristen vor allem beliebt, weil sie oft ganz nah an die Boote heranschwimmen und sich streicheln lassen. Doch wir hatten auch schon Reportagen gesehen, bei denen junge Bullen nur so aus Neugier und Spieldrang die Boote ein wenig anhoben. Nun, wir waren gespannt, was uns erwarten sollte und ob wir überhaupt Wale sehen würden.

Wir waren ja am Abend zuvor schon darauf vorbereitet worden, dass die meisten Wale um diese Zeit bereits wieder auf dem Weg nach Norden waren und die Chancen auf gute Walbeobachtung hier gegen Ende März eher gering seien. Kurzum wurde unsere Grauwaltour einfach in Naturbeobachtungstour umbenannt und der Skipper stoppte überall, um uns die Naturschätze der Bucht zu zeigen: Mangroven, Fregattvögel, Reiher usw. Ist zwar auch nicht uninteressant, aber deshalb waren wir ja eigentlich nicht hierher gekommen. Lieber Skipper, fahr doch noch ein bisschen weiter, vielleicht haben wir Glück …?

Grauwalmutter mit Kalb

Ja, wir hatten Glück! Da! Eine Grauwalmutter mit Kalb! Die letzte? Es hatte fast den Anschein, denn die beiden waren von mehreren Booten regelrecht umzingelt. Unser Skipper entschied, sich nicht auch noch dazuzugesellen. Sehr vernünftig von ihm, leider anscheinend die Ausnahme in Lopez Mateos, wo die Einhaltung von Regulierungen zum Whale-Watching nicht wirklich kontrolliert wird. So waren auch an diesem Tag die meisten Skipper wohl mehr auf ihr Trinkgeld bedacht.

Trinkgeld wird in Mexiko übrigens groß geschrieben und bei so ziemlich jedem Service erwartet. In Restaurants sollte man ungefähr 15 % Trinkgeld einplanen; beim Frühstück, auch wenn es im Preis inbegriffen ist, sowie für die Reinigung des Zimmers immer ein paar Pesos liegen lassen. Bei den Whale-Watching-Touren scheinen die meisten Touristen leider nach dem Motto zu handeln: 'Mehr Kontakte, mehr Trinkgeld'. Folglich herrschte bei den zwei zutraulichen Walen das totale Chaos. Jeder Skipper versuchte, so dicht wie möglich zu kommen und entging einige Male nur knapp einem Zusammenstoß mit anderen Booten oder den Walen.

Grauwalkuh

Doch wir zogen erst einmal weiter. Und gar nicht weit entfernt erschien auch schon der nächste Wal; Mutter oder Jungtier? So groß, das muss die Mutter sein, waren wir uns ganz sicher – bis kurz darauf wirklich die Mutter auftauchte. Wahnsinn! Der Unterschied war nun ganz deutlich zu sehen, denn die Mutter war etwa doppelt so groß wie das Kalb. Wir waren begeistert! Aber irgendwie schienen die Wale unsere Begeisterung nicht zu teilen – zu wichtig waren die Schwimmübungen. Schließlich war es höchste Zeit, langsam den 10.000 km langen Weg zu den Nahrungsgründen im Norden in Angriff zu nehmen.

Man muss sich mal auf der Zunge zergehen lassen: 10.000 km zwischen Nahrungs- und Paarungsgründen. Lange Wanderungen sind bei den Bartenwalen zwar ganz normal, jedoch halten die Grauwale eindeutig den Rekord. Den Sommer verbringen die Tiere in den nährstoffreichen Polargebieten in der Beringstraße, wo die Sonne im Sommer bis zu 24 Stunden scheint. Und da kaltes Wasser mehr gelöste Gase enthält als warmes und die Sonne im Sommer dort bis zu 24 Stunden scheint, steht viel Kohlendioxid für Photosynthese zur Verfügung, die rund um die Uhr betrieben werden kann. Algen (das sogenannte Phytoplankton) gibt es zu dieser Zeit en masse – Futter für das Zooplankton, wovon sich wiederum andere Meeresbewohner ernähren, auch Bartenwale. Wohingegen einige Bartenwale aber wie im Schlaraffenland mit offenem Maul einfach durch ihr Futter schwimmen, machen es sich die Grauwale nicht so leicht. Auf der Seite liegend durchwühlen sie den Meeresboden nach am Boden lebenden Krebstieren, Würmern usw. Welche Körperseite die Wale bei der Nahrungssuche bevorzugen, kann man daran erkennen, dass auf dieser Seite am Kopf deutlich weniger Seepocken zu finden sind. Wenn die Tage im Norden dann kürzer werden und die Photosynthese langsam zum Erliegen kommt, ziehen die Wale nach Süden. Allen voran die werdenden Mütter, gefolgt von den Bullen und anderen Weibchen. Normalerweise fressen die Tiere während ihres Aufenthalts vor der Baja California nichts, weshalb sich die meisten schon bald wieder gen Norden aufmachen. Zurück bleiben die Walmütter, bis ihre Jungen fit genug für die lange Reise sind. Also heißt es: üben, üben, üben.

Grauwaljunges

Nachdem wir noch weitere Wale bei ihrem Schwimmtraining beobachtet hatten, versuchten wir unser Glück letztendlich doch noch einmal bei den zutraulichen Walen vom Anfang der Ausfahrt. Inzwischen hatten einige andere Boote die Rückreise angetreten, sodass wir uns langsam nähern konnten. Das Jungtier – es war unglaublich – schwamm von einem Boot zum nächsten und streckte seinen Kopf aus dem Wasser, um sich tätscheln zu lassen. Wie ein junger Hund, der sich über Besuch freut. Plötzlich, was für eine Überraschung, tauchte der "kleine" Kerl direkt vor uns auf und schwamm am Boot herum, bis ihn jeder einmal berührt hatte.

Wollten sich die Wale verabschieden? Liebe Touristen, vielen Dank für Ihr Interesse und Ihr Geld. Es ist gut angelegt, denn so kommt hier wenigstens keiner mehr auf die Idee, uns abzuschlachten. Wenn es Ihnen gefallen hat, sagen Sie es weiter. Im nächsten Winter gastieren wir wieder in diesen Gewässern.

Man bekam tatsächlich den Eindruck, als wollten die beiden Wale das Trinkgeld für die Skipper sichern. Man fragt sich nur, zu welchem Zweck? Von anderen Gegenden ist bekannt, dass Delfine mit Fischern kooperieren, wobei für die Delfine dabei immer etwas Fisch rausspringt. Die Wale hier müssen hingegen noch acht geben, bei dem ganzen Chaos nicht von einer Schiffsschraube verletzt zu werden. Bleibt zu hoffen, dass sich in Lopez Mateos in Sachen Regulierung bald etwas tut, denn die Bucht ist an sich ein idealer Fleck für Walbeobachtungen.

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